Die Wahl der richtigen Heizkörpergröße ist nicht nur eine Frage der Ästhetik, sondern vor allem der Effizienz und des Wohnkomforts. Wer baut oder saniert, steht oft vor der Frage: Welche Leistung muss ein Heizkörper pro qm Wohnfläche erbringen, um den Raum auch an kalten Tagen behaglich warm zu bekommen? Eine falsche Dimensionierung führt entweder zu kalten Füßen oder zu unnötig hohen Heizkosten.
Warum die Berechnung der Heizleistung wichtig ist
Viele Hausbesitzer neigen dazu, Heizkörper "über den Daumen" zu kaufen. Doch ein zu kleiner Heizkörper schafft es nicht, die gewünschte Raumtemperatur zu erreichen, besonders wenn die Vorlauftemperatur niedrig ist (wie bei Wärmepumpen). Ein überdimensionierter Heizkörper hingegen ist in der Anschaffung teurer und nimmt unnötig Platz weg, auch wenn er energetisch weniger schädlich ist als ein zu kleiner.
Das Ziel ist es, die exakte Heizkörper pro qm Leistung (in Watt) zu ermitteln, die nötig ist, um Wärmeverluste durch Wände, Fenster und Decken auszugleichen.
Richtwerte: Wie viel Watt pro Quadratmeter?
Die benötigte Heizleistung hängt massiv vom Dämmstandard des Gebäudes ab. Ein ungedämmter Altbau verliert Wärme rasend schnell, während ein Passivhaus kaum Heizenergie benötigt.
Hier sind die gängigen Richtwerte für die Berechnung der Heizkörper pro qm:
- Passivhaus: ca. 15 – 20 Watt pro m²
- Neubau (nach heutigem Standard): ca. 30 – 50 Watt pro m²
- Sanierter Altbau (Wärmedämmung, neue Fenster): ca. 60 – 80 Watt pro m²
- Normaler Altbau (teilweise gedämmt): ca. 80 – 100 Watt pro m²
- Ungedämmter Altbau (vor 1980): ca. 120 – 140 Watt pro m²
Beispielrechnung
Nehmen wir an, Sie möchten ein 20 m² großes Wohnzimmer in einem sanierten Altbau beheizen.
- Fläche: 20 m²
- Bedarf: 80 Watt/m² (Sicherheitswert)
- Rechnung: 20 m² × 80 W/m² = 1.600 Watt
Ihr Heizkörper (oder die Summe mehrerer Heizkörper im Raum) muss also eine Nennwärmeleistung von 1.600 Watt erbringen.
Faktoren, die den Bedarf an Heizkörper pro qm beeinflussen
Neben dem Baujahr und der Dämmung gibt es weitere Faktoren, die Sie beachten müssen, wenn Sie die Heizkörper pro qm kalkulieren:
- Raumart: Ein Badezimmer sollte wärmer sein (24°C) als ein Schlafzimmer (18°C). Für das Bad sollten Sie daher etwa 10-15% mehr Leistung einplanen.
- Außenflächen: Räume mit vielen Außenwänden oder großen Fensterflächen kühlen schneller aus und benötigen mehr Watt pro Quadratmeter.
- Vorlauftemperatur: Dies ist ein kritischer Punkt. Die oben genannten Watt-Angaben beziehen sich oft auf Standard-Systemtemperaturen (z.B. 75/65°C). Wenn Sie eine Wärmepumpe mit niedrigen Vorlauftemperaturen (z.B. 45/35°C) nutzen, muss die Fläche des Heizkörpers deutlich größer sein, um dieselbe Wärme in den Raum zu bringen. Die reine Watt-Zahl des Raumbedarfs bleibt gleich, aber der Heizkörper muss physisch größer dimensioniert werden.
Typische Fehler bei der Auswahl
Ein häufiger Fehler ist das blinde Vertrauen auf alte Werte beim Austausch der Heizungsanlage. Wenn Sie von einer Ölheizung auf eine Wärmepumpe umsteigen, reichen die alten Heizkörper pro qm Berechnungsgrundlagen oft nicht aus, da die neuen Systeme mit niedrigeren Temperaturen arbeiten. Hier müssen oft Typ-33-Heizkörper (drei Platten) statt Typ-22 oder Typ-11 installiert werden, um die Übertragungsfläche zu vergrößern.
Tipp: Rechnen Sie lieber mit einem kleinen Puffer. Ein etwas zu großer Heizkörper kann durch das Thermostatventil gedrosselt werden und läuft effizienter bei niedrigeren Temperaturen. Ein zu kleiner Heizkörper lässt sich jedoch nicht "tunen".
Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Formel "Wattbedarf × Raumgröße" ist der erste Schritt. Doch für eine exakte Auslegung der Heizkörper pro qm sollten Sie auch die Systemtemperaturen und die spezifische Raumnutzung berücksichtigen.